© Stefan Hoening
28.01.2026

Christian Sprang feiert Jubiläum

Ein Vierteljahrhundert Rechtsexpertise

Chrstian Sprang hält seine veröffentlichten Bücher
© Christian Sprang

Lieber Christian, seit 25 Jahren bist du jetzt schon beim Börsenverein. Das ist eine lange Zeit. Hättest du dir damals, als du bei uns anfingst, gedacht, dass du so lange beim Börsenverein bleiben würdest?

Auf der Position des Justiziars des Börsenvereins hat es historisch eher lange Verweildauern gegeben, was überwiegend wohl als hilfreich empfunden wurde. Denn Recht und Gesetze schleppen sich ja, wie es bei Goethe heißt, wie eine ewige Krankheit fort. Insofern wurde mir schon in meinem Bewerbungsverfahren von verschiedenen Ansprechpartnern verdeutlicht, dass man jemand suche, der das Dasein als Justiziar nicht als Job, sondern als Lebensstellung begreife – und so ist es dann bei mir auch tatsächlich gekommen.

Wie hat denn alles angefangen? Wie bist du zum Börsenverein gekommen?

In die Branche gekommen bin ich 1994. Der Mainzer Musikverlag Schott hat als rechte Hand des Verlegers einen Justiziar gesucht und fand mein Profil als Jurist und (promovierter) Musikwissenschaftler ansprechend. Deswegen hat der Verleger auch anders als alle anderen potenziellen Arbeitgeber, mit denen ich damals Bewerbungsgespräche geführt habe, gar nicht erst den Ausgang meines zweiten juristischen Staatsexamens abgewartet, sondern mir gleich einen Vertrag angeboten. Und ich hatte sechs ganz tolle Jahre im Schott-Verlag, dem ich mich bis heute sehr verbunden fühle.

Der Wechsel zum Börsenverein kam dann nicht zuletzt mittels eines Headhunters zustande. Nach der Zeit im Verlag wollte ich noch einmal etwas anderes sehen.

Erinnerst du dich an deinen ersten Arbeitstag?

Das war der 2. Januar 2001, mein frisch zum Hauptgeschäftsführer aufgestiegener Amtsvorgänger Dr. Heker führte mich durch das Buchhändlerhaus am Großen Hirschgraben, wo aber am Tag nach Neujahr fast niemand arbeitete, dem er mich hätte vorstellen können.

Im Herbst zuvor – meinen Arbeitsvertrag beim Börsenverein hatte ich bereits unterschrieben – berichteten alle Medien darüber, dass Europäische Kommission und Bundeskartellamt eine Hausdurchsuchung beim Börsenverein wegen des Verdachts der Bildung eines illegalen Kartells zur Durchsetzung der Buchpreisbindung durchgeführt hatten. Mein Bruder, der das in der Tagesschau gesehen hatte, rief mich daraufhin empört an, wie ich denn von einem seriösen Musikverlag zu solch einem Banditenverein wechseln könne. Und tatsächlich wurde es eine meiner ersten großen Aufgaben beim Börsenverein, das Brüsseler Kartellverfahren zu betreuen, das nach denkwürdigem Verlauf mit einer Einstellung endete.

Was waren besondere Highlights in diesen Jahren für dich persönlich?

Da gibt es so viele, dass es schwerfällt, einzelne herauszugreifen. Fachlich gehören verschiedene Gesetzgebungsverfahren dazu, die ich mit Stellungnahmen und bei Expertenanhörungen im Bundestag begleitet habe, oder auch ein Auftritt als Sachverständiger in der Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung. Ein Höhepunkt war sicherlich der von der Rechtsabteilung orchestrierte erfolgreiche Kampf der deutschen Buchbranche gegen das Google Book Settlement, in dem sich gerade Jessica Sänger große Verdienste erworben hat. Und juristisch sind natürlich auch die aktuellen Fragen rund um die Künstliche Intelligenz spannend, die in unserem Team federführend von Susanne Barwick betreut werden.

Ich weiß, dass du eine große Leidenschaft für Musik hast. Verbringst du damit deine freie Zeit? Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeitest?

Sport (Schwimmen, Fitnessstudio und Wandern) ist für mich aufgrund zunehmender gesundheitlicher Malaisen nicht nur Hobby, sondern auch Therapie und beansprucht viel Zeit, mehr sogar als die Musik. Einigen Aufwand stecke ich auch in mein Aktiendepot, seit ich in den letzten Jahren für mich entdeckt habe, welche interessanten Welten sich hinter der Börse verbergen. Und nachdem ich mit meinem alten Studienfreund Matthias Nöllke vier Büchlein zu ungewöhnlichen Todesanzeigen bei Kiepenheuer & Witsch gemacht habe, wollen wir dieses Jahr bei C.H. Beck einen Ratgeber zu Schlagfertigkeit für Jurist*innen herausbringen. Nicht zu vergessen: Ich bin seit über 30 Jahren Dauerkartenbesitzer bei Mainz 05 und verdaddele viel Zeit mit Fußballgucken.

Was würden deine Kollegen über dich sagen?

Als Führungskraft? Ich bin ein ziemlicher Skeptiker, was den Effekt von Führungskräftecoachings, Teamreisen et cetera betrifft. Aber an einen Grundsatz glaube ich uneingeschränkt: „Vertrauen führt!“ Meine Überzeugung ist, dass Vertrauen in und Wertschätzung von Kolleg*innen immer zurückkommen – und ich denke, dass deshalb alle genauso wie ich ziemlich gerne in der Rechtsabteilung arbeiten.

Was die Kollegen außerdem vermutlich über mich sagen ist, dass ich einer der größten Fresssäcke der Branche bin – und ich fürchte, das könnte stimmen.